Donnerstag, 26. Januar 2012

Im vergangenen Sommer hatte ich die Gelegenheit, den Designer und Herausgeber der Freistil-Reihe Raban Ruddigkeit zu interviewen. Das folgende Gesprächsprotokoll basiert auf den Notizen, die ich während unseres Telefonates am 29.07.2011 gemacht habe.

In der Presse war in den letzten Jahren immer wieder mal von einer „Renaissance der Illustration” die Rede. Auch Sie haben in Interviews schon mehrfach von einer Wiederkehr der Illustration gesprochen. Woran machen Sie das fest?
In erster Linie an eigenen Beobachtungen. Es scheint seit einigen Jahren immer mehr Magazine zu geben, die Illustrationen veröffentlichen. Auch scheinen vor allem neue Marken Zeichnungen zur Selbstdarstellung und in ihrer Werbung zu benutzen. Diese Tendenz ist jedoch vor allem quantitativer Natur. Das heißt, es gibt zwar immer mehr Illustrationen, aber die Auftraggeber stellen nicht unbedingt mehr Geld dafür zur Verfügung. Meiner Erfahrung nach sind die Preise, die für eine Zeichnung gezahlt werden, in den letzten Jahren stark gesunken.

Woher kommt denn dieser Trend hin zur Illustration?
Ich denke, das liegt vor allem an neuen technischen Entwicklungen im Bereich der Grafikprogramme und der Digitalfotografie. Es ist mittlerweile sehr einfach geworden, ansprechende Grafiken zu erstellen. Dazu kommt, dass sich mittlerweile eigentlich jeder eine Digitalkamera leisten kann und damit nette Fotos schießen kann. Bilder, die auf diese Weise entstehen, haben jedoch häufig etwas glattes und unpersönliches. Zeichnungen wirken direkter, persönlicher und emotionaler. Sie erzeugen eine größere Nähe und das wird in vielen Fällen gewünscht.
Aber allgemein kann man auch feststellen, dass immer mehr Bilder publiziert werden. Dabei geht mit einer immer stärkeren Ausdifferenzierung von Darstellungsweisen einher. Da ist es logisch, dass auch mehr Illustrationen zu sehen sind.

Haben Sie den Eindruck, dass es auch im Bereich der Bildreportage eine Wiederkehr der Illustration gibt?
Nein, tut mir leid, mir ist nichts dergleichen aufgefallen. Ich denke aber, dass es da Potenzial gibt. Allerdings müssten erstmal viele junge Illustratoren an solchen Themen arbeiten und sich sich durchsetzen, bevor sich so etwas etablieren kann.

Das Internet bietet die Möglichkeit, Bilder auf kostengünstige Weise zu publizieren. Denken Sie, dass digitalen Medien darüber hinausgehende Potenziale für die Illustration bieten?
Absolut. Ich wundere mich, wie wenig beispielsweise das iPad für die Veröffentlichungen von Zeichnungen genutzt wird. Mittlerweile kann ja eigentlich jeder Apps herstellen und anbieten. Junge Illustratoren könnten Problemlos neue und innovative Magazine oder Anwendungen herausbringen. Aber komischerweise macht das kaum jemand.

Was sollte ein guter Illustrator heutzutage können? Was sind aktuelle Herausforderungen?
Auf solche Fragen nenne ich immer wieder gern die großen drei Gs. Ein Illustrator muss gute Ideen haben. Dann muss er in der Lage sein, das Bild gut umzusetzen. Handwerkliches Können ist eine absolute Grundvoraussetzung. Und schließlich muss er ein gutes Benehmen haben. Er muss sich auf Veranstaltungen präsent sein, er muss zu eigenen Parties oder Ausstellungen einladen und er muss dabei eine große Sozialkompetenz aufweisen. Illustratoren, die ausschließlich in ihrem Studio sitzen und auf Anrufe warten, kommen nicht weit. Denn diese Anrufe werden nicht kommen.

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