Dienstag, 29. Juni 2010

Havanna

Havanna ist eine Art gezeichneter Reisebericht, die der Berliner Comiczeichner Reinhard Kleist während eines vier wöchigen Aufenthaltes in Kuba anfertigte. Das Buch ist vor allem unter formalen Gesichtspunkten interessant: Kurze Comicpassagen, in denen kleine Geschichten erzählt werden, wechseln sich mit freien Zeichnungen ab, die durch kurze Texte ergänzt werden.

Im Grunde handelt es sich hier also um eine Mischung aus Comic und illustriertem Reisebericht. Während die Illustrationen größtenteils nach Thema sortiert sind (Autos, Landschaft, Häuser etc.) dienen die Comicpassagen als Auflockerung und als inhaltliche Klammern. Da längere Textpassagen völlig fehlen und der größte Teil der Informationen durch Bilder vermittelt werden, sind die Comicstrips notwendig, um komplexere Inhalte zu vermitteln. Gleichzeitig könnten sie auch als Versuch gesehen werden, das Werk nicht zu einem inhaltslosen Bilderbuch werden zu lassen. Das gelingt leider nur bedingt. Kleist spricht zwar mehrfach politische und gesellschaftliche Themen an, handelt diese jedoch in wenigern Bildern/Sätzen ab - es findet keine wirkliche Auseinandersetzung mit diesen Themen statt.

In seinen Bilder steht vor allem der morbide Charme der verfallenden Hauptstadt im Vordergrund. Ein Großteil der Bilder könnte man auch auf Postkarten drucken und an Kuba-Touristen verkaufen. Kleist ist sich dieses Problems bewusst (und thematisiert es in einem imaginären Gespräch zwischen sich selbst und einem Castro-Plakat), aber es gelingt ihm nicht, es zu lösen.
Kleist war als Tourist in Havanna, und so ist sein Buch auch nicht viel mehr als ein etwas kitschiges Reise-Bilderbuch geworden. Die Vermischung von Comic und Illustartion jedoch ist eine sehr interessante Technik, die sich sicherlich auch auf Reportagen anwenden ließe.

Kleist, R. (2008). Havanna: Eine kubanische Reise. Hamburg: Carlsen

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