Donnerstag, 26. Januar 2012
In der Presse war in den letzten Jahren immer wieder mal von einer „Renaissance der Illustration” die Rede. Auch Sie haben in Interviews schon mehrfach von einer Wiederkehr der Illustration gesprochen. Woran machen Sie das fest?
In erster Linie an eigenen Beobachtungen. Es scheint seit einigen Jahren immer mehr Magazine zu geben, die Illustrationen veröffentlichen. Auch scheinen vor allem neue Marken Zeichnungen zur Selbstdarstellung und in ihrer Werbung zu benutzen. Diese Tendenz ist jedoch vor allem quantitativer Natur. Das heißt, es gibt zwar immer mehr Illustrationen, aber die Auftraggeber stellen nicht unbedingt mehr Geld dafür zur Verfügung. Meiner Erfahrung nach sind die Preise, die für eine Zeichnung gezahlt werden, in den letzten Jahren stark gesunken.
Woher kommt denn dieser Trend hin zur Illustration?
Ich denke, das liegt vor allem an neuen technischen Entwicklungen im Bereich der Grafikprogramme und der Digitalfotografie. Es ist mittlerweile sehr einfach geworden, ansprechende Grafiken zu erstellen. Dazu kommt, dass sich mittlerweile eigentlich jeder eine Digitalkamera leisten kann und damit nette Fotos schießen kann. Bilder, die auf diese Weise entstehen, haben jedoch häufig etwas glattes und unpersönliches. Zeichnungen wirken direkter, persönlicher und emotionaler. Sie erzeugen eine größere Nähe und das wird in vielen Fällen gewünscht.
Aber allgemein kann man auch feststellen, dass immer mehr Bilder publiziert werden. Dabei geht mit einer immer stärkeren Ausdifferenzierung von Darstellungsweisen einher. Da ist es logisch, dass auch mehr Illustrationen zu sehen sind.
Haben Sie den Eindruck, dass es auch im Bereich der Bildreportage eine Wiederkehr der Illustration gibt?
Nein, tut mir leid, mir ist nichts dergleichen aufgefallen. Ich denke aber, dass es da Potenzial gibt. Allerdings müssten erstmal viele junge Illustratoren an solchen Themen arbeiten und sich sich durchsetzen, bevor sich so etwas etablieren kann.
Das Internet bietet die Möglichkeit, Bilder auf kostengünstige Weise zu publizieren. Denken Sie, dass digitalen Medien darüber hinausgehende Potenziale für die Illustration bieten?
Absolut. Ich wundere mich, wie wenig beispielsweise das iPad für die Veröffentlichungen von Zeichnungen genutzt wird. Mittlerweile kann ja eigentlich jeder Apps herstellen und anbieten. Junge Illustratoren könnten Problemlos neue und innovative Magazine oder Anwendungen herausbringen. Aber komischerweise macht das kaum jemand.
Was sollte ein guter Illustrator heutzutage können? Was sind aktuelle Herausforderungen?
Auf solche Fragen nenne ich immer wieder gern die großen drei Gs. Ein Illustrator muss gute Ideen haben. Dann muss er in der Lage sein, das Bild gut umzusetzen. Handwerkliches Können ist eine absolute Grundvoraussetzung. Und schließlich muss er ein gutes Benehmen haben. Er muss sich auf Veranstaltungen präsent sein, er muss zu eigenen Parties oder Ausstellungen einladen und er muss dabei eine große Sozialkompetenz aufweisen. Illustratoren, die ausschließlich in ihrem Studio sitzen und auf Anrufe warten, kommen nicht weit. Denn diese Anrufe werden nicht kommen.
Mittwoch, 5. Oktober 2011
Interview mit Dan Archer
Hier ein Auszug aus unserer Korrespondenz (meine Fragen sind fett ausgezeichnet):
People often ask me why i’m drawing pictures instead of taking photos. I’m sure you are familiar with that question. What’s your take on this?
People often forget that photos can be editorialized just as much as drawn images. Personally, I think a drawing is all the more sincere in explicitly revealing that the object depicted has been run through a subjective filter. All too often do readers forget that even a photographer has to crop in/out the elements they don’t want in a frame, and that’s before the editor has their say. Not to mention the possibility of it being tampered with in photoshop. To me, drawn images are the most accurate way of translating what’s in our heads onto paper – crystallizing our subjective experience. Provided a journalist is up front about that, I don’t see what the problem is, beyond the traditional aversion to what’s innovative versus something that’s been traditionally accepted. [Perfect example: Newsweek’s cropping of a Dick Cheney photo in 2009, prompting the longest comment thread ever on the NYTimes Lens blog - http://lens.blogs.nytimes.com/2009/09/17/essay-9/]
Without doubt drawings provide a very subjective view of the subject. So, how do you create authenticity? One answer to that question can be found in your hypercomic: By clicking on a panel the reader gets access to supporting documents. Thats a great way to prove your assertions. But are there other possibilities to convince the reader that you are telling the truth?
Sources are always going to be the key to authenticity, and linking is certainly one of the best ways around that. Incorporating more multimedia, housing multiple, corroborative views together could be another. I don’t think one single “truth” exists – even if you and I experienced the same event next to each other, we’d record and report it differently.
What do you think are the advantages of a digital reportage over a printed one? Does interactivity really help to tell good and authentic stories? Couldn’t it be to complicated and confusing?
I think interactivity is one of the few ways of demanding a reader’s engagement and involvement – readers/viewers get let off too easily these days in the era of clicking off youtube videos or channel surfing. Only by forcing the reader to drive the story can we be sure they are fully committed to the narrative – much like the way agency works in between comics panels to make sequential images seem like they’re part of the same story. It could well be complicated – the key is marrying a compelling story with an intuitive interface – no mean feat! (Not to mention being paid well enough to make it in the first place).
